LIEDER. LIEBE. LEBEN(sZeit).

Bin ich gut genug?

Ein fröhliches „Hallo“ und schön, dass du wieder mitliest.

Nun sind es fast 11 Wochen, seit meiner 2 OP. Mein Kopf hat keinen Tumor mehr, dafür ist er voller Ideen für die Zukunft. Es ging mir schon immer so, dass ich viele Ideen hatte, der Unterschied jetzt ist, dass ich nicht mehr so viel Angst habe, die Dinge auch zu machen. Ich habe nichts zu verlieren außer (Lebens)Zeit.

Mein Leben ist jetzt und ich möchte dir heute erzählen, was anders ist, als noch im letzten Jahr und wie das passiert ist.

Ich wusste ja letztes Jahr schon, dass ich diesen Tumor hatte. Meine gesamte Energie zu bündeln und mich voll auf die Albumproduktion zu konzentrieren, war eine heftige Erfahrung. Ich hatte danach kein Geld mehr, hatte Panik und wusste nicht, wie ich das machen sollte. Ich bin gelernte Physiotherapeutin und ich hätte jederzeit wieder in diesen Beruf einsteigen können. Aber meine innere Stimme sträubte sich so sehr dagegen. Ich wollte es einfach mit der Musik schaffen. Doch es ging nicht. Ich musste wieder in die Rolle der Physiotherapeutin schlüpfen, um die Miete zu zahlen und alles andere, was noch so an Ausgaben im Monat ansteht.
Ja, es war eine Rolle.

In allem, was ich tue, gebe ich 100%.

Als Physiotherapeutin, bin ich eigentlich ganz gut gewesen. Ich habe ein Gefühl dafür, was der Patient gerade braucht und gehe sehr auf den Menschen ein. In allem, was ich tue, gebe ich 100%. Daher hatte ich viele zufriedene Patienten. Nur raubte es mir auch sehr viel Energie.
Ich konzentrierte mich immer voll auf die Person, die ich da gerade behandelte.
Es war ein Geben, Geben, Geben.
Jahrelang habe ich versucht, nicht so leer und ausgebrannt aus der Praxis zu gehen. Aber wenn ich nur halb soviel reingegeben habe, bin ich nicht zufrieden mit der Behandlung gewesen oder sie hat nicht die Früchte getragen, die sie hätte tragen können. Mir war immer klar, dass ich diesen Weg nicht ewig gehen will. Mein Herzblut steckte ja auch noch woanders. Ich habe nebenbei volle Pulle Energie in die Musik gesteckt und bin außerdem auch noch Mama mit Leib und Seele. In allem gebe ich alles, was geht.
Wo führt das hin, wenn man sich in alle Dinge hängt und all seine Energie gibt?

Man sagt ja: „Alles was man gibt, kommt auch zurück.“
Natürlich gibt es auch einiges an Energie zurück, dennoch habe ich nie das richtige Maß gefunden. Ich war immer wieder viel krank, müde, angespannt, hatte Verletzungen oder oder oder. Eindeutige Zeichen also, etwas zu verändern.

Die OP im Juni 2017 hat mich nochmal wachgerüttelt. Ich habe die Zeit bis jetzt genutzt, um klare Gedanken zu fassen. Zu schauen, was ich, wie angehen kann und möchte.
Ganz klar ist, dass ich die Physiotherapie hinter mir lasse. Diese Option: „Ich kann ja immer wieder zurück“, ist für mich keine mehr. Und Ideen und Projekte habe ich genug.
Neben meinem Soloprojekt als Musikerin und Songschreiberin, bin ich seit einigen Jahren mit einer Coverband unterwegs und das auch auf einem guten Niveau.
Ich gebe Coaching im Bereich Stimme / Gesang / Körperarbeit/ Präsenz, in ganzheitlichem Sinne. Zudem gestalte ich freie Trauungen, als freie Rednerin oder moderiere Veranstaltungen. Ich habe es bisher nur temporär geschafft, damit komplett selbstständig zu sein und das soll sich nun ändern.

Im Moment heißt das für mich, fokussieren.
Als freie Rednerin…ach ich mag diesen Begriff nicht, denn ich halte keine Rede, ich leite eine Zeremonie…also, als Zeremonieleiterin, blühe ich richtig auf.
Die Begegnung mit den Paaren und deren Geschichten, die Vorbereitungen und das Schreiben, die Zeremonie an sich, es macht mir so viel Spaß. Und mittlerweile kann ich sagen, dass jede Trauung bisher, ein emotionales Ereignis an sich war. Die Gäste und Paare waren immer begeistert und ich glücklich, ihnen diesen besonderen Tag, so einzigartig mit gestalten und erleben zu können.
Diese Arbeit raubt mir keine Energie, sie gibt mir welche, trotzdem ich auch hier gebe, gebe, gebe.

Für das nächste Jahr trudeln bereits die ersten Trauungsanfragen rein, einige Hochzeiten sind schon fest. Der Fokus liegt auf meinen Projekten. Zeremonien/Veranstaltungen jeglicher Art leiten, Coaching von motivierten Schülern auf verschiedenen Ebenen,  mit der Coverband, Partys und Firmenfeiern bespielen und mein Soloprojekt, dass mit einer neuen Konzertreihe in den Startlöchern steht. Es ist viel, aber machbar.
Ich habe keinen nine to five Job und auch oft kein Wochenende. Ich arbeite in Zeitfenstern, damit ich Qualitätszeit mit meinem Kind verbringen kann und soll ich dir was sagen, ich liebe es.

Natürlich frage ich mich: Wird das alles klappen? Kommen genug Buchungen rein? Kann ich nächsten Monat die Miete zahlen? usw.

So oft hatte ich Zweifel und diese Zweifel haben mich gehemmt.

Aber was ich mich seit kurzer Zeit nicht mehr frage und das macht den Unterschied, ist: „Bin ich gut genug?“

Anderen Menschen helfen.

Ich wollte immer, dass es allen gefällt!
Ich wollte gut sein und es schaffen und habe doch so viel gezweifelt.
Aber „Gut genug“ für wen?
Es gibt so viele verschiedene Menschen, mit verschiedenen Geschmäckern, mit unterschiedlichsten Wahrnehmung und  Empfindungen, verschiedenen Lebensstilen usw.

Also für wen sollte ich „gut genug“ sein?
Die Frage, die ich mir stattdessen stellte, war: „Bin ich gut genug zu mir?“

Ich gebe privat und beruflich immer mein Bestes. Und sicher, übersehe auch ich manche Dinge. Aber was ich nicht mehr übergehen will, ist meine Gesundheit.
In meinem naturell liegt es, anderen Menschen helfen zu wollen.

Einer meiner Lehrer hat damals, in der Ausbildung zur Bühnensängerin, eine Geschichte erzählt, die mir immer im Kopf geblieben ist:
„Du sitzt in einem Flugzeug,  links neben dir ein Kind und auf der anderen Seite ein alte Frau.
Plötzlich fällt der Luftdruck im Flugzeug ab, die Sauerstoffmasken fallen runter. Du hilfst dem Kind, diese aufzusetzen und auch der Frau…Was hast du vergessen? Wirst du dir selbst noch helfen können?
Setz´ DIR die Sauerstoffmaske als erstes auf, damit du allen anderen auch helfen kannst. Vielleicht sitzen um dich herum noch mehr Leute, denen du dann noch helfen kannst.“

Und genau das habe ich erlebt.
Das Schlimmste in den letzten Wochen war, dass ich nicht für mein Kind da sein konnte. Ich war nicht fähig dazu, weil ich mich einfach erholen musste von der Operation. Ich wusste ihn in guten Händen und das es ihm gut geht und doch war es furchtbar für mich, ihn nicht zu erleben. Seine täglichen Geschichten zu hören, zu sehen, was er Neues lernt und seine ganze Fragen zu allem zu beantworten.

Auf der anderen Seite hat es mich etwas gelehrt und ich habe versucht es umzusetzen:
Heile dich, damit du wieder voll für andere da sein kannst.
Nur, weil ich mich darauf eingelassen habe und auf meinen Körper gehört habe, wenn ich eine Pause brauchte, kann ich jetzt wieder mit ihm Rumrennen, quatsch machen und an seinem Wachsen teilhaben.

Mein ganzes Leben wollte ich, das es allen um mich herum gut geht. Ich konnte nicht mit Streit oder negativer Energie umgehen. Das ist einer der Gründe, warum ich angefangen habe Songs zu schreiben. Um diese Energie irgendwie zu Bündeln und rauszulassen.

Viele Menschen machen ähnliche Erfahrungen, aber jeder geht damit anders um. Als ich merkte, dass meine Songs, meine Themen, auch anderer Leute Themen sind, hat das neue Türen geöffnet.
Ich will auch weiterhin anderen „helfen“. Vielleicht eben mit der Musik, mit meinen Worten und Gedanken.

Mit dem heutigen Blog gebe ich dir eine Überlegung mit:
Wenn du dich fragst: „Bin ich gut genug?“, frage dich stattdessen: „Bin ich gut genug zu mir selbst?“
Wenn du all deine Energie weggibst, hast du irgendwann keine mehr für dich.
Wenn du krank wirst, kannst du nicht für andere sorgen.
Niemand kann beurteilen, ob du nicht noch besser sein kannst. Nur du kannst sagen, ob du alles, dir Mögliche getan hast.

Das heißt:
Wenn du gut zu dir bist, kannst du gut zu anderen sein.
Wenn du für dich da bist, kannst du auch für andere da sein.

Ich freue mich wieder über einen regen Austausch im Kommentarfeld hier und auf allen anderen Kanälen, wie Facebook und Instagram.

Hab eine schöne (Lebens)Zeit und genieße jeden Moment.

Gern teile meinen Blog, meine Musik und Beiträge auf Instagram und Facebook auch mit anderen.

Alles LIEBE.

Deine STEPh

(www.facebook.com/stephsmusic.de )

2 Responses to “LIEDER. LIEBE. LEBEN(sZeit).

  • Hallo Steph, sehr sehr gut geschrieben. Ich wünsche Dir für Deine Pläne alles Gute. Drücke Dir natürlich auch die Daumen das alles so gelingt. Viele liebe Grüße Dirk

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